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Interaktives Theater- Nieder mit der vierten Wand!

Was ist die vierte Wand? Stellt euch einen Raum vor, in dem sich zwei Schauspieler heftig streiten. Dieser Raum hat vier Wände, ist geschlossen. Nun setzen wir hinter eine dieser Wände viele andere Menschen, die Zuschauer. Die Wand ist massiv,sie können die streitenden Schauspieler noch nicht sehen.  Und jetzt kommt der Trick: drei Zimmerwände bleiben massiv, aber die Wand vor den Zuschauern wird durchlässig, so dass sie auf einmal die Streitenden sehen und hören können. So sind die Zuschauer Zeugen dessen, was auf der Bühne passiert. Doch diese Durchlässigkeit geht nur in eine Richtung:  Dier beiden Streitenden auf der Bühne sehen die Zuschauer nicht, sondern immer noch eine Wand. Das ist die sogenannte vierte Wand, halb-durchlässig für die Zuschauer, undurchdringlich für die Schauspieler. Für sie sind die Zuschauer nicht vorhanden, und so können sei sich in ihre Rolle einfühlen, als wäre es das echte Leben.


Die Methode für Film und Fernsehen

Diese Form des Schauspiels wurde anfang des 20. Jahrhunderts systematisch erforscht und gelehrt vom Begründer der modernen Schauspieltechnik, dem Russen Konstantin Stanislawski. Dann vielfach weiterentwickelt und modifiziert,  und dann seit den 50er Jahren perfektioniert von amerikanischen Schauspiellehrern wie Lee Strasberg in seinem „Actors Studio“. Generationen von Stars lernten, spielten und spielen nach dieser Methode: Marlon Brando, Jack Nicholson, Meryl Streep. Ziel dieser Darstellungsform ist höchstmöglicher Realismus. Schauspiel in Film und Fernsehen funktioniert bis heute so, noch verstärkt durch den subjektiven Blickwinkel der Kamera. Ihr seid als Zuschauer ganz dicht dran, ohne direkt involviert werden zu können.

 

 Jeder Vorteil hat einen Nachteil

Wenn man länger auf der Bühne steht, und mit der vierten Wand spielt, bemerkt man deutlich auch die damit einhergehenden Nachteile.

Bühne und Publikum bleiben zwei getrennte Welten. Für manche Theaterform potenzieren sich die Schwierigkeiten: gerade für die kleinen Zuschauer im Kindertheater kann es sehr schwierig sein, die Position freundlichen Interesses über längere Zeit einzunehmen, ohne direkt angesprochen zu werden. Besonders, wenn sie nicht verstehen, was sie die Vorgänge auf der Bühne eigentlich angehen.

 

Neue Wege

Aber Theater ist live, und was spricht eigentlich dagegen, dass ich mich als Schauspieler direkt ans Publikum wende? Das ist ein Riesenvorteil, warum ihn also nicht nutzen? Denn anders als beim Kino oder Fernsehen sind Schauspieler und Zuschauer im gleichen Raum. Der Schauspieler spielt nicht nur seine Rolle , sondern tritt immer wieder heraus, und spricht das Publikum direkt an. Die Idee der "Heraustretens" aus der Rolle wurde zuerst von Bertolt Brecht propagiert, der  verhindern wollte, dass sich die Zuschauer zu sehr in das Bühnengeschehen einfühlt und so das Nachdenken über die zu ändernden gesellschaftlichen Verhältnisse vergisst. Aber bei Brecht soll der Zuschauer natürlich nicht antworten oder gar mitspielen! Bei uns schon: Interaktives Theater! Wir wollen lebendige Kommunikation und Austausch, um Gedanken, Gefühle und Wahrnehmung des Zuschauers dynamisch ins Spiel zu bringen. Der Zuschauer quasi als Mitspieler. So  kann  der Theater-Moment und das Erlebnis noch reicher und intensiver werden. Wir sprechen in unserem interaktiven Theater die Zuschauer immer wieder direkt an, involvieren sie in die Handlung. Ihre Gedanken „spielen eine Rolle“, ihre Beiträge treiben die Handlung und das Bühnengeschehen weiter voran.

 

Lebendige Interaktion

Im Kindertheater funktioniert das besonders eindrucksvoll. Es gibt Kollegen, die behaupten, Kinder seien ein sehr schwieriges Publikum, da sie schwer bei der Stange zu halten seien. Das erleben wir im Interaktiven Kindertheater überhaupt nicht: in dem Moment, wo die Kinder begreifen, dass das Kommunikationsangebot von den Schauspielern wirklich ernst gemeint ist, sind sie mit Feuereifer bei der Sache: Denn wenn  die kleine Piratin Mini Mutig auf der Bühne wirklich wissen möchte, wie man ein Schiff bauen kann, um aufs Meer hinauszusegeln, dann muss

 man ihr helfen. Und sie anfeuern, wenn sie Angst hat, dem bösen Wassermann zu begegnen. Und den dann auch fesseln, wenn sie sich alleine nicht traut. So geht es immer weiter, und so entsteht ein wirkliches gemeinsames Erlebnis, dass Kopf und Herz des Publikums berührt und maximal aktiviert.  Die möglichen Elemente, Interaktivität auf der Bühne zu erzeugen, sind vielfältig: gemeinsames Singen, diskutieren von Lösungsmöglichkeiten, Geräusche, skandieren und vieles mehr.

 

Dabei ist es natürlich wichtig, dass wir als Schauspieler immer den Fortgang der Geschichte im Auge haben, aber auch das gelingt mit etwas Übung. Unsere Veranstalter sind oft überrascht, dass sie ausdrücklich vor der Vorstellung bei unseren Stücken ihr junges Pulikum nicht darauf hinweisen müssen, stillzusitzen, ruhig zu sein und aufmerksam der Vorführung zu folgen. Sondern dass die kleinen Zuschauer sich voll einbringen dürfen. Manchmal wird das auch turbulent, aber der Gewinn ist riesig: durch die Überwindung der vierten Wand entsteht eine wirklich lebendige Beziehung zwischen Schauspieler und Publikum. Und genau danach suchen wir ja in unserer künstlerischen Arbeit, darum: nieder mit der vierten Wand!

 

 

 

 

 

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